Erinnerungen an Marco

Hier erzähle ich noch einige lustige Situationen, die ich mit meinem kleinen Racker erlebt habe und schon oft daran zurückgedacht habe.

Marco war ein lebenslustiger kleiner Mann, der trotz seinen vielen Infekten und körperlichen Einschränkungen sehr interessiert an seiner Umwelt war. Da er in der Sprachentwicklung weit zurück war, zeigte uns Marco mit seiner Gestik was er wollte. Dies gelang ihm auch sehr gut und eigentlich konnte ihn auch so jeder verstehen. Auf Fragen konnte er mit Ja und Nein antworten. Das „Ja“ bestand meist aus heftigen Kopfnicken und freudigen Lauten. “Nein” konnte Marco sagen, aber das war ihm zu anstrengend. Er sagte lieber „NeeNee“ und drückte das Angebotene mit seiner Hand fort.

 

Kinderarztbesuche

Durch seine Infektanfälligkeit mussten wir fast täglich zum Kinderarzt, da seine Lunge unter ständiger Kontrolle sein musste. Deshalb kannte Marco die Praxis nur zu gut und die Kinderärztin zählte schon als eine gute Bekannte von ihm. Sobald sie den Raum betrat und sich neben ihn setzte, klopfte er sich mit der Hand auf die Brust, nahm ihr Stethoskop und drückte es in ihre Hand, da er unbedingt abgehört werden wollte. Einmal waren wir aber wegen etwas ganz anderem in der Praxis, doch Marco wollte wie immer abgehört werden. Da die Kinderärztin aber nicht das Stethoskop zum Abhören nahm, warf es Marco beleidigt vom Untersuchungsbett.

 

Schlafenszeit

Marco hatte in seinem Bett immer mindestens 10 Schnuller liegen, da er meist im Schlaf suchend nach einem griff und weiterschlief. Doch wurde er nachts mal wach, hatte morgens oder mittags seinen Schlaf beendet, so schmiss er alle Schnuller aus seinem Bett aufs Laminat (was ziemlich laut war). Da Marco eine ziemlich leise Stimme hatte (auch durch die lange Beatmungszeit), machte er sich lieber durch das Schnullerwerfen bemerkbar. Sobald alle Schnuller im Raum verteilt waren, warf er alle seine Spieluhren und sonstige Sachen aus dem Bett. Das hat ihm wohl immer ziemlich viel Spaß gemacht – tja, und Mama durfte danach aufräumen.

 

Marcos erste Pizza

Bei einer Freundin aß Marco seine erste Pizza. In dieser Zeit fing er gerade an bei uns vom Tisch mitzuessen. Nach dem ersten Stück konnte er es kaum erwarten das nächste in den Mund geschoben zu bekommen. Sobald ich mich mit dem nächsten Stück seinem Mund näherte, zitterte Marco am ganzen Körper und grunzte vor Freude.

 

Marco half im Haushalt

Marco war ganz stolz, wenn er z.B. eine leere Kekstüte in den Mülleimer werfen durfte. Er lief dann mit der leeren Kekstüte in die Küche, zog mit der rechten Hand die Schranktür unter der Spüle auf, warf die Tüte in den Eimer, warf mit voller Energie die Tür wieder zu und man sah, dass er superstolz war.

Eines Mittags saß er im Wohnzimmer mit dem Rücken zu mir auf dem Boden und spielte mit seinen Bechern, die man zu einem Turm aufstapeln konnte.

Ich wollte ihm eine Freude machen und hielt im Papier hin das für den Mülleimer bestimmt war und fragte ihn, ob er dies in die Küche bringen würde. Keine Reaktion!

Ich machte mir darüber keine weiteren Gedanken und wollte ihn weiterspielen lassen. Wenig später fand ich alle seine Turmbecher im Mülleimer wieder. Da er mein hingehaltenes Papier nicht gesehen hatte, hat Marco gemeint, er solle seine ganzen Becher (die er in dem Moment meiner Frage gesehen hat) in den Eimer bringen. Also hat er fein säuberlich jeden einzelnen Becher in den Mülleimer geworfen.

 

Marcos verschlafene Mutter

Marco lag kurz vor seinem Tod noch ein paar mal für eine Stunde bei mir im Bett (davor wollte er dies nie). Nach einer kurzen Zeit war er meist aber topfit, kletterte aus dem Bett und ließ seine verschlafene Mama alleine. Kurze Zeit später befand sich der ganze Küchenschrankinhalt auf meinem Bett, da er mir damit sagen wollte, dass er nun etwas essen möchte – meist waren es aber Kekstüten!

An einem morgen hat es in der Küche richtig gescheppert. Am Vortag lief abends die Spülmaschine und zum Abkühlen war die Klappe über Nacht angelehnt geblieben. Marco hat sie aufgezogen, ist auf die Klappe geklettert und hat das ganze Besteck in die Mitte der Küche geworfen (das Foto ist in der Galerie). Tja, da war die Mama glockenhellwach!

 

Marcos Sprache

Marcos „Ja“ und „Nein“ habe ich ja schon beschrieben. Er konnte den Indianer und den Hund nachmachen und das wichtigste: er konnte „Mama“ sagen. Als er dies zum ersten Mal sagte, hätte ich weinen können.

Der Papa war die „Mamama“ oder „Wawa“, der Opa war „Owa“ und die Oma war die „Omma“.

Marco hat mir unheimlich gerne ein Küsschen gegeben. Am Anfang nahm er seinen Arm, drückte den Mund darauf, zog daran und drückte den Arm vom Mund, bis ein lautes Kussgeräusch ertönte. Später gab er jedem einen Handkuss.

Wenn ich ihn abends ins Bett brachte, nahm ich ihn noch einmal feste in den Arm und er machte „ei“. Dabei streichelte er immer ganz vorsichtig mit seiner Handinnenfläche über meine Wange.

 

Marcos Lieblingsbeschäftigungen

Marco liebte es spazieren zu gehen. Meist fiel er vor Spannung fast aus dem Kinderwagen, da ihn alles um ihn herum interessiert hat. In der Uniklinik waren wir täglich (wenn es überhaupt möglich war) auf dem Gelände unterwegs. Marco konnte stundenlang den vorbeifahrenden Zügen zuschauen.

 

Am liebsten saß er aber daheim in seiner Schaukel, die mitten in seinem Kinderzimmer hing. Umso höher und heftiger er schaukelte, umso besser gefiel es ihm. Dabei quietschte und lachte er vor Freude immer.

 

Baden war für ihn auch immer ein großer Spaß. Er saß dann immer in der Duschkabine und planschte was das Zeug hielt.

 

Sein liebstes Spielzeug waren Dinge die Musik machten. Seine Spieluhren (den Mond und die Maus) waren die liebsten Dinge. Danach kam der Kassettenrecorder mit der Kassette „Ein Vogel wollte Hochzeit machen“. Die Kassette musste auch immer sofort umgedreht werden, sobald sie abgelaufen war. Auf seinem Spieltisch lag ein Teil, das alle möglichen Geräusche machen konnte. Dies war auch im Dauergebrauch.

 

Seine Turmbecher und seinen Kreisel zählten auch zu seinen beliebten Spielsachen. Mit seinem Abschlepper und seinem Rennauto beschäftigte er sich auch gerne – immerhin machten diese auch viele Geräusche.

 

Marco und der Windbeutel

Ich war an einem schönen Mittag bei meiner Mutter zum Kaffeetrinken. Da wir schönes Wetter hatten, saßen wir auf dem Balkon. Marco saß in seinem Hochstuhl und wollte natürlich auch etwas vom Essen haben. Also gab ich dem kleinen Mann einen Mini-Windbeutel. Diesen nahm er in die Hand und sah ihn sich an. Mit dieser Kugel konnte er wohl nichts anfangen. Bevor wir überhaupt reagieren konnten, warf Marco den Mini-Windbeutel hinter sich und landete ein Stockwerk tiefer.

 

Marco auf dem Balkon

Wir hatten einen sehr schönen Balkon, auf dem Marco gerne spielte. Irgendwann entdeckte er auf dem Boden am Rand den kleinen Spalt. Also kniete er sich immer runter und schaute raus. Nach einer kurzen Zeit hat wohl Marco gemerkt, dass man durch diesen Spalt Sachen rauswerfen kann und es wohl ziemlich lustig ist, wenn diese eine Etage tiefer auf dem Rasen lagen. Also machte er sich den Spaß und warf aus seinem Bällebad ca. 100 Bälle runter. Zum Glück fand unser Nachbar das nicht schlimm, da seine Tochter für sein Leben gerne diese Bälle eingesammelt hat und sich immer gefreut hat, wenn der Garten wieder einmal mit Bällen voll war.

Doch ich staunte nicht schlecht, als unser Nachbar irgendwann mal mit Marcos Hausschuhen und seiner elektrischen Zahnbürste vor der Tür stand.

 

Marco und seine Freundin Sophia

Marco hatte eine Freundin namens Sophia. Sie war 6 Monate älter als Marco.

Sophia war zu Besuch und die Zwei spielten zusammen. Zum Abschied wollte Sophia Marco gerne einen Kuss geben. Marco stand vor seiner Zimmertür und schaute Sophia an. Sophia kam näher und näher, spitzte den Mund und wollte ihm einen Kuss geben.... Plötzlich drehte sich Marco um, rannte in sein Zimmer, schmiss die Tür zu und Sophia stand ganz verdattert vor der Tür. Anscheinend war Marco von dem Abschiedskuss nicht so begeistert!